Autoroliver simon

Oliver Simon - Jahrgang '67 - lebt in Bleckede bei Lüneburg.

Ein distelichter Charakter

ersatzgestalt | Ein Sudelbuch über Leitbilder in der Literatur.
Ich suche nach erstrebenswerten Idealen, Vorbildern, von denen man sich leiten lassen mag, dem man nacheifert. Gemeint sind nicht zwangsläufig die von Menschen vorgelebten. Leitbilder sehe ich auch darin, wie jemand schreibt: Wie eine Figur in einem Text agiert. Und manchmal auch, wie es eben nicht gehen sollte; und dies mich so beschäftigt, dass ich losziehe und Alternativen suche, erschaffe. Alles positiv dargestellte gilt übrigens auch für die negativen Leitbilder; wo man sich sagt: so niemals. Diese werden ebenfalls beschrieben.

Ursprünglich wollte ich die Suche nach männlichen Vorbildern in den Fokus stellen- für meinen Blog mannstreu. Dies war mir dann aber zu eng gefasst. Denn Männlichkeit kann ja auch die Frau vermittelt werden. Daher bin ich auf das Leitbild umgeschwenkt. Zudem gibt es in meiner Welt niemandem dem ich im Ganzen nachstrebe, nachstreben würde. Es geht immer nur um einzelne Aspekte: Ich weiß doch viel zu wenig von einem Menschen um zu sagen: er, sie ist meine Vorbild; ihm, ihr will ich nacheifern. Eifere ich dann auch den “dunklen Seiten” nach? Nein. Also sage ich: wie das gemacht wurde, super. Das versuche ich auch. Und dann kommt etwas mir sehr wichtiges: ich bedanke mich bei diesem Menschen dafür. Selbst wenn dieser nicht mehr lebt. Nun; das bezieht sich auf “reale Menschen”.

Wie lässt sich das übertragen auf die Literatur? Wie finde ich da ein Leitbild? Muss der Autor, die Autorin die Figur präzise ausgearbeitet sein? Genügt ein Impuls, der mir dann durch das Vage den nötigen Anstoß gibt?
Wie könnte mein Danke-Ritual dann aussehen? Ich kann mir vorstellen, dass dies auch schriftlich erfolgt oder ich mich bildlich bedanke. Und wenn mich der Hafer sticht, schicke ich diesen Dank an die AutorInnen; sofern möglich.

Wie finde ich nun ein Leitbild? In meinem Fall ist der Ausgangspunkt das “anders machen wollen”. Mangels positiver Erlebnisse arbeite ich mich am Negativen ab und schaue, wie es auch anders geht (für mich). Bedeutet: anders als vielleicht zu erwarten steht in der Auflistung nicht der Name eines Menschen; wie z. B. Mahatma Gandi, sondern eine Situation, eine Herausforderung, der vorgelebte Umgang damit und die Suche nach positiven Alternativen. Dann erst der Mensch, oder die Menschen, die mir einen besseren Weg vermittelt, oder in Aussicht gestellt haben.

Welche konkreten Leitbilder haben Sie? Und warum? Wie hat Ihnen dies geholfen?

#haikukeinhaiku

Ich versuche mich im Schreiben von Kurzgedichten. Dabei orientiere ich mich an den Formen des Haiku und Senryū. Einen kleinen Teil meiner Wortbilder habe ich hier hinterlegt. Gute Unterhaltung.

Weitere Gedichte finden Sie auf meiner Lyrik- & KurzprosaWebsite der blaue ritter. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch dort lesen.

N°958

Auf diesem Weg wo
niemand sich bewegt kräuselt
sich Regenwasser

N°956

die kleine harke
auf endlosen kieseln das
erinnerte trägt

N°957

äonenlanges
leben bewegt sich listig
der salzene gong

N°901

Saitenschläferton
Der Finger lautes Gähnen
zum Tanz. Stegsolo

N°985

einfach nur singen
was einem in den sinn kommt
kehlkopfgesang. oh

N°984

die prophetin des
fernen zuges lichter
flirren wortbrüchig

N°203

Der Nasenmundschutz
als wir uns kennenlernen
zeichnen wir auf Stoff

N°202

mondschein – wir tanzen
zum duft rohen fisches licht
brennt im fischerdorf

N°201

die weide erhebt sich
zwischen boot und ufer
sind wir nun getrennt

N°60

ein singen aus licht
ein bild gefaltet mittig
daraus ein schwan ruft

N°139

übersetzen des
wortes wie des fährmanns kahn
würde ausgelöst

N°136

ich lag im see singt
der ätherische mann auf
grund wechseljahre

N°135

mit dem lichtschwert der
unendlichen minderheit
geschichte andichten

N°133

Himmelstauchsterne
unterm Regen der Sieder
das Teewasser kocht

N°128

alte landstraße
knietiefer schnee das feuer
unterhaltend – zisch

N°129

der tag fährt auf
überbelichtet himmelwärts
im kopf unterwegs

N°24

alte landstraße
knietiefer schnee das feuer
unterhaltend – zisch

N°903

im winterregen
lang gegähnt der fremden frau
das herbarium verschenkt

#quickanddirtyeingelesen

N°71

bäume schlagen an
arm und brust die rippe fehlt
karma: tarte aux pommes

N°4711

ernste gesänge
dem wal – der die see schultert
auf gelben säcken

N°61

das gefühl verblasst
die tinte traumwandelt
gezeitenleerstand

N°70

am letzten strohhalm
den faden verlierend da
mein herz sich bindet

N°59

Auf dem Ozean
wo Füße nicht tragen schwimmt
das Beschriebene

N°56

Am Anfang war das
Wort ohne Gegenüber
Des Windes Schultern

N°28

Nach losen Fäden
greifen im Schatten Hände
der Weberknechte

N°958

Auf diesem Weg wo
niemand sich bewegt kräuselt
sich Regenwasser

N°956

die kleine harke
auf endlosen kieseln das
erinnerte trägt

N°957

äonenlanges
leben bewegt sich listig
der salzene gong

N°901

Saitenschläferton
Der Finger lautes Gähnen
zum Tanz. Stegsolo

N°985

einfach nur singen
was einem in den sinn kommt
kehlkopfgesang. oh

N°984

die prophetin des
fernen zuges lichter
flirren wortbrüchig

N°203

Der Nasenmundschutz
als wir uns kennenlernen
zeichnen wir auf Stoff

N°202

mondschein – wir tanzen
zum duft rohen fisches licht
brennt im fischerdorf

N°201

die weide erhebt sich
zwischen boot und ufer
sind wir nun getrennt

N°60

ein singen aus licht
ein bild gefaltet mittig
daraus ein schwan ruft

N°139

übersetzen des
wortes wie des fährmanns kahn
würde ausgelöst

N°136

ich lag im see singt
der ätherische mann auf
grund wechseljahre

N°135

mit dem lichtschwert der
unendlichen minderheit
geschichte andichten

N°133

Himmelstauchsterne
unterm Regen der Sieder
das Teewasser kocht

N°128

alte landstraße
knietiefer schnee das feuer
unterhaltend – zisch

N°129

der tag fährt auf
überbelichtet himmelwärts
im kopf unterwegs

N°24

alte landstraße
knietiefer schnee das feuer
unterhaltend – zisch

N°903

im winterregen
lang gegähnt der fremden frau
das herbarium verschenkt

#quickanddirtyeingelesen

N°71

bäume schlagen an
arm und brust die rippe fehlt
karma: tarte aux pommes

N°4711

ernste gesänge
dem wal – der die see schultert
auf gelben säcken

N°61

das gefühl verblasst
die tinte traumwandelt
gezeitenleerstand

N°70

am letzten strohhalm
den faden verlierend da
mein herz sich bindet

N°59

Auf dem Ozean
wo Füße nicht tragen schwimmt
das Beschriebene

N°56

Am Anfang war das
Wort ohne Gegenüber
Des Windes Schultern

N°28

Nach losen Fäden
greifen im Schatten Hände
der Weberknechte

31 | Die Woche

Diese Woche habe ich in erster Linie recherchiert und eine kleine Artikelserie vorbereitet:

Webinseln | In diesen Beiträgen halte ich meine Gedanken und Rechercheergebnisse fest, die sich für das Projekt: Inseln des Erinnerns schaffen. (Vergangene) jüdische Kultur im ländlichen Raum sichtbar machen; mit dem Schwerpunkt Dialog fördern.

Mit der Entwicklung des hypómnema Die kartographierte Welt war ich unzufrieden; es gab zu viele Denkfehler darin. in einer langen Gartennacht ist mir der Gedanke gekommen, zwei ProtagonistInnen zu finden, die im Dialog dieses Sudelbuch füllen. Da ich mich selbst in dieser Form erproben will lege ich als personaler Erzähler den roten Faden. Mein Konterpart wird eine Figur sein, die Annemarie Schwarzenbach nahekommt. Diese 1942 verstorbene Schweizer Journalistin, Fotografin und ReiseSchriftstellerin. Sie hatte alles an Widersprüchen, Genialität und Problemen, die hier wunderbar passen. Zudem lese ich ihre Texte sehr gern. Ein Porträt zu ihr ist in Arbeit.

Für die Bebilderung dieses hypómnemas verwende ich ausschließlich Fotos von Annemarie Schwarzenbach. Das Schweizerische Literaturarchiv stellte zum 75. Todestag der Schriftstellerin über 3000 Reisebilder aus ihrem Nachlass auf Wikimedia Commons online.

Ob ihm aufging, dass er als Botschafter bei mir nur ein Achselzucken erzeugen würde und daher das Weite suchte?
Ob ihm aufging, dass er als Botschafter bei mir nur ein Achselzucken erzeugen würde und daher das Weite suchte?

Begonnen habe ich nun auch, meine #haikukeinhaiku zusammenzustellen. Unzufrieden bin ich immer noch, ob sie besser mit oder ohne Bild funktionieren.

Im Dialog

Ein Beitrag über Organisation, Verein, Interessenverbände, die sich mit der Erinnern an die Shoa, sowie mit der Geschichte der jüdischen Kultur in Deutschland beschäftigen und dabei große Kompetenz erworben haben. Diese können Anlaufstellen für Fragen, Hilfestellungen sein. Zunächst möchte ich diese einfach auflisten; in einem späteren Arbeitsgang näher darauf eingehen. Diese Auswahl beschränkt sich auf die Ansprechpartner, die ich für meine Recherchen selbst kontaktiert habe. Es gibt so viele Anlaufstellen, daher schien mir diese Vorgehensweise am sinnvollsten.

Das Leo Baeck Institut – New York | Berlin ist eine Forschungsbibliothek und ein Archiv, das sich der Geschichte des deutschsprachigen Judentums widmet. Es gehört zu den bedeutendsten Sammlungsstätten von Primärquellen und Forschungsmaterial zum jüdischen Leben Zentraleuropas in den Jahrhunderten vor dem Holocaust.

Je nachdem was Sie interessiert, ist die Bundeszentrale für politische Bildung ein guter Ansprechpartner. Die Publikationen sind sehr lesenswert. Nicht nur für Schüler. Ich selbst lese regelmäßig das Magazin fluter.

Zwei Vereine, die sich um die Informationsvereitung und der Koordination zum Jubiläumsjahr 2021 kümmern: Interessant auch, weil sie mit vielen anderen Interessenvertetern in Verbindung stehen:

IM JAHR 2021 LEBEN JÜDINNEN UND JUDEN NACHWEISLICH SEIT 1700 JAHREN AUF DEM GEBIET DES HEUTIGEN DEUTSCHLANDS.
Aus diesem bedeutenden Anlass haben sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und wichtige Institutionen zusammengeschlossen, um dieses Ereignis unter der Leitung eines eigens gegründeten Vereins bundesweit zu begehen. Neben einem zentralen Festakt werden vielfältige Veranstaltungen bundesweit in Städten und Gemeinden ausgerichtet.

Der Verein 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V. hat sich am 18. April 2018 im Gemeindehaus der Synagoge Köln gegründet. Ziel des Vereins ist es, die Bedeutung der jüdischen Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa wachzuhalten, auf ihr 1700-jähriges Bestehen hinzuweisen und dazu zentrale Feierlichkeiten im und rund um das Festjahr 2021 anzustoßen bzw. zu organisieren.

Meet a Jew | Das aktuelle jüdische Leben durch in Deutschland lebende jüdische Menschen kennen lernen, das ist die Idee hinter Meet a Jew. Denn eine persönliche Begegnung bewirkt, was tausend Bücher nicht leisten können. Wer Jüdinnen und Juden schon mal persönlich getroffen hat, ist weniger anfällig für Stereotype und Vorurteile und weiß, dass es viel mehr Themen gibt über die wir miteinander sprechen können als über Antisemitismus, die Shoah oder den Nahostkonflikt.
Meet a Jew ist 2020 aus dem Zusammenschluss der erfolgreichen jüdischen Projekte Rent a Jew und Likrat – Jugend & Dialog hervorgegangen. Gemeinsam entwickeln wir das Projekt weiter, ermöglichen noch mehr Begegnungen und erreichen weitere Zielgruppen an Universitäten, Sportvereinen, unter Pädagoginnen und Pädagogen oder im Internet.

Die Kulturdatenbank des Zentralrats der Juden in Deutschland | Jüdische Kulturveranstaltungen finden nicht nur in jüdischen Gemeinden statt. Jüdische und israelische Kulturtage, Dialogvereine und jüdische Museen gehören in Deutschland ebenfalls zu zentralen Kulturmittlern.

Bis vor einigen Jahren mussten interessierte Veranstalter vornehmlich außerhalb Deutschlands suchen und jüdische Künstler gewissermaßen importieren. Die jüdische Gemeinschaft der Nachkriegszeit war zahlenmäßig einfach zu klein, um eine vielfältige neue jüdische Kulturszene hervorzubringen. Das änderte sich erst durch die große Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren. Zwischenzeitlich gibt es mehr und mehr jüdische Künstler, die sich in Deutschland angesiedelt haben und von hier aus ihre Karriere weiterbringen. Auch einige jüdische Israelis und Amerikaner befinden sich darunter.
Es sind jedoch mitnichten nur jüdische Künstler, die sich in Deutschland um jüdische Kultur bemühen. Sehr viele nicht-jüdische Künstler arbeiten zu jüdischen Themen und bereichern die jüdische Kulturszene hierzulande.

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ist ein Ort lebendiger wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit allen Facetten jüdischer Religion, Geschichte, Kulturen und Gesellschaften. Die Nähe zum historischen Erbe der Entstehungslandschaft von Aschkenas bietet im Wissenschaftlichen wie im Religiösen Impulse für die Arbeit an der Hochschule. Ihr Interesse gilt aber immer dem Ganzen der jüdischen Kulturen über geographische und zeitliche Räume hinweg: in Vergangenheit und Gegenwart, als selbstgewisses Judentum, als Diaspora und ebenso im Land Israel.

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg steht allen Studierenden und Wissenschaftler*innen unabhängig von Herkunft und Bekenntnis offen. Ihr ist eine einzigartige Doppelgleisigkeit eingeschrieben, die sich auch räumlich abbildet; der wissenschaftlichen Bibliothek Albert Einstein ist, mit den Seminarräumen dazwischen, korrespondierend das Lehrhaus, der Beth Midrasch, gegenübergestellt; hier ist der Ort des religiösen Lernens der Grundlagentexte des Judentums mit dem Hochschulrabbiner und mit Mitgliedern des akademischen Lehrkörpers.

Das Visual History Archive an der Freien Universität Berlin950 Interviews aus der Sammlung der USC Shoah Foundation

Diese Plattform bietet Ihnen Zugang zu Transkriptionen von insgesamt 903 deutschsprachigen und 47 anderssprachigen Interviews aus der Sammlung der USC Shoah Foundation. The Institute for Visual History and Education.
Die Transkriptionen wurden in den Jahren 2008 bis 2012 an der Freien Universität Berlin im Rahmen Projektes “Zeugen der Shoah” erstellt. Zum Zugriff auf das Archiv der Abschriften.

Es findet sich dort auch ein Interview mit Bleckede-Bezug: Gerhard Moss, dessen Großvater dort geboren wurde.

Regionale Aktivitäten (Eine subjektive, inspirierende Auswahl)

Verein Geschichte hat Zukunft: Das Landwerk Neuendorf – eine historische Stätte deutsch-jüdischer Geschichte in Brandenburg
Der Gutshof in Neuendorf im Sande ist die einzige ehemalige
Hachschara-Stätte in Deutschland, in der einige der historischen
Bauwerke noch erhalten sind.
Seit 2018 bemüht sich unser Verein darum, die Geschichte des Gutshofes aufzuarbeiten, zu dokumentieren und vorort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Jüdische Kultur  – das ist mehr als ein paar Spuren. Auch in Tübingen. Wir wollen die jüdische Kultur in Tübingen fördern.
Wir sind Bürger, die sich für die Vielfalt des Judentums in Geschichte und Gegenwart interessieren. Schwerpunkte unserer Vereinsarbeit sind jüdische Kultur heute und das Erbe und die Erinnerung an früheres jüdisches Leben in Tübingen. Die Nazis haben die Tübinger jüdische Gemeinde zerstört und in ganz Deutschland das jüdische Leben vernichtet.

Diese Liste wird fortgesetzt.