distelicht | Eine kulturelle Landpartie

Ein hypómnema | Was ist das für ein Wort? Es kommt vom mittelhochdeutschen distelic, ist heute allerdings nicht mehr gebräuchlich. Daraus habe ich nun assoziativ ein distelicht gemacht. Heute ungebräuchlich, bedeutet es “einer Distel ähnlich”. Die Idee zu diesem Sudelbuch kam mir bei der Lektüre des Büchleins “KLEINE DISTELN” des Schottischen Romanciers Alasdair Gray. Es besteht aus Kurzgeschichten. Im Klappentext wird der Autor wie folgt beschrieben:

A.G., geb. 1934 in Glasgow, studierte an der dortigen Kunsthochschule Malerei. Er lebt und arbeitet als Grafiker, Maler und Schriftsteller in seiner Heimatstadt.

Da kam bei mir die Frage auf, wie werden Disteln z.B. in Kunst & Literatur eingesetzt? Was gibt es fernab der Stereotype, des Offensichtlichen? Und: die Distel steht für mich auch immer als ein Symbol der Randfigur: polarisierend, mit negativen Klischees behaftet, geachtet statt geliebt und das gepaart mit Wehrhaftigkeit. Ein sinnieren darüber schwingt im Sudelbuch mit.

Kurz zuvor hatte ich mich mit der jüdischen Geschichte meiner Heimatstadt (Geseke) beschäftigt. Dabei entdeckte ich ein Tegeltableau der Familie J. Goldschmidt & Zonen, ausgewandert nach Amsterdam. Auf dieser Kachel ist ihr Kaffee- und Teegeschäft abgebildet inkl. dem Geseker Stadtwappen. Nun komme ich zur Distel: hergestellt hat diese Keramik eine Firma namens de Distel, Amsterdam.

Foto: Frank Schapers

Aus dieser assoziierten Verbindung entstand die Idee, kleine Disteln zu finden, in einem Sudelbuch zu sammeln und daraus vielleicht Neues entstehen zu lassen. Im Hinterkopf habe ich dabei, dass es nicht unbedingt um die Pflanze direkt geht, sondern eher um Metaphern, Symbolik, assoziatives.

Ins Sudelbuch kommen bisher:

St. Giles’ Cathedral, Edinburgh
1911 wurde im Südosten der Kirche die Thistle Chapel im neugotischen Stil angebaut. Sie dient als Ordenskapelle des Order of the Thistle.
Zudem: Die Verbindung John Knox/Mary Stuart

de Distel Keramik/Pottery, Amsterdam
1895 – 1925
J. Goldschmidt & Zonen

Die Züchtung Purpur-Kratzdistel (Cirsium rivulare ‘Atropurpureum’) der Gartengestalterin Beth Chatto.

Waldschänke zur Distelklinge in Filderstadt
Gaststätte; geführt in der dritten Generation

Karl Blossfeldt, Fotograf
Der besonders durch streng-formale Pflanzenfotografien bekannt wurde.

Herbert Distel, Schweizer Maler und Plastiker
Installateur des Schubladenmuseums

Sherlock Holmes und der Distel-Killer.

Der Distel-Knoten in der Seefahrt.

Feder & Distel, Berlin
Musikkabarett – hat sich, so scheint es, aufgelöst
Feder und Distel = Haiku

Barbara Distel
Aufbau der Gedenkstätte Buchenwald

Wilhelm Weimar, Hamburg
Deutscher Museumswissenschaftler, Zeichner, Typograf und Fotograf.
Parallelen zu Karl Blossfeldt

Mannstreu, keine Distel

Peter Huchel
Unter der Wurzel der Distel, Lyrik

Die Distel – Beratungsstelle für Frauen, Essen

Karde | Kardendistel f. verdeutlichend für älteres Karde f. Weberdistel, ahd. carta f., carto m. (9. Jh.), mhd. karte, asächs. carda, mnd. kārde, mnl. carde, caerde, nl. kaard(e); vgl. auch kartistel (15. Jh.). Zugrunde liegt (vielleicht vermittelt über vlat. *carda Plur.?) spätlat. cardo m., lat. card(u)us m. ‘Distel’ (zu lat. carrere ‘Wolle krempeln’). Der Übergang von lat. -d- zu ahd. -t- weist aus, dass der Entlehnungsvorgang vor der zweiten Lautverschiebung erfolgte. Der Wandel wird allerdings unter dem Einfluss der Wollverarbeitungsindustrie wieder rückgängig gemacht unter Anlehnung an mlat. cardus, ital. cardo, mfrz. frz. carde, mnl. carde, caerde, nl. kaard(e). Die stacheligen Blütenköpfe werden zum Krempeln der Wollfäden benutzt, daher bereits mhd. karte ‘Wollkamm’, möglicherweise über entsprechendes ital. cardo? karden Vb. ‘mit der Wollkratze aufrauhen’, karten (14. Jh.). Auf von ital. cardo abgeleitetem ital. cardeggiare beruht kardätschen Vb. ‘Wolle kämmen, striegeln’ (Anfang 17. Jh.) und die Gerätebezeichnung Kardätsche f. ‘Wollkamm, Pferdestriegel, Drahtbürste’ (16. Jh.).

kardeş = Bruder, Schwester (aus dem Türkischen)
Wenn jemand etwa eine Unterhaltung mit “kardeş” (Bruder) beginnt, dann kann man fast immer sicher sein, daß bald die Fetzen fliegen werden. Süddeutsche Zeitung, 14.08.1998
Kardes Türküler beziehen sich auf ein unerschöpfliches Reservoir wie auch der Musikethnologe und Tanbur- und Sazvirtuose Talip Özkan. Süddeutsche Zeitung, 05.11.2003

Distelwurzelmehl

Der Kratzdistelrüssler ist ein Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer und der Unterfamilie Lixinae. Anders als sein deutscher Name vermuten lässt, entwickelt er sich nicht nur in Kratzdistelarten, sondern benutzt ein breites Spektrum von distelartigen Pflanzen als Wirtspflanze.

Distel Zeherit – E.T.A Hoffmann, Meister Floh (Zweites Abenteuer)
Die Distel Zeherit blüht im fernen Indien und zwar in dem schönen, von hohen Bergen umschlossenen Tale, wo sich zuweilen die weisesten Magier der Erde zu versammeln pflegen.

A Drunk Man Looks at the Thistle – Ein Gedicht von Hugh MacDiarmid (bürg. Christopher Murray Grieve)
Monologisierendes Gedicht zwischen Komik und bitterem Ernst das ein breites Spektrum von kulturellen, sexuellen, politischen, wissenschaftlichen, existentiellen, metaphysischen und kosmischen Themen untersucht, die schlussendlich durch einen roten Faden vereinigt werden. Es ist zudem eine Auseinandersetzung mit seinem Heimatland Schottland.

George Herbert | Englischer Schriftsteller (1593 – 1633). Er gilt als einer der bedeutendsten „Metaphysical Poets.
„Wenn das Gehirn kein Korn sät, pflanzt es Disteln.“

HaikuWortDatenbank | Korbblütler, falscher Safran, Pfahlwurzel, Weber-Karde, …

Dieses Sudelbuch gehört zu meinem Blog ErsatzGestalt und wird dort beschrieben.

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