Ein Sudelbuch fürs Web aufbereiten

Ein Sudelbuch fürs Web aufbereiten

Ein klassisches Sudelbuch/hypomnema, also die Kladde, die man mit Stiften und Fundstücken aus Papier, Fotos etc. befüllt, kennt wohl Jede(r). Die Sortierung ergibt sich in der Regel aus einer gewissen Chronologie des Eintragens. Dies lässt sich auf das digitale Sudelbuch, z.B. einer Website übertragen; allerdings vergeudet man dann die zahlreichen Möglichkeiten die sich bieten: eine flexible Sortierung, einfaches miteinander kombinieren, optische Aufbereitung, etc..

Hier einige Überlegungen, die ich dann nachfolgend in meinen WebSudelbüchern – die ich Hypomnemata nenne – ausprobieren werde.

Die Sammlungen sollen jeweils einem Thema, einer Fragestellung zugeordnet sein. (Analog: eine Kladde pro Thema)

Nun kann man dies natürlich im “stillen Kämmerlein” machen. Dann ist das Ergebnis nur für mich relevant. Da ich mir aber wünsche, mich mit LeserInnen über meine Erfahrungen & Erkenntnisse auszutauschen, muss ich zudem ein besonderes Augenmerk auf die Aufbereitung legen.

Leitfaden nicht Leidfaden

  • Wenn ich öffentlich meine Notate teile, sollten diese so gestaltet sein, dass sie gern gelesen werden.
  • Die Motivation warum ich dieses Sudelbuch anlege und ein roter Faden sollten erkennbar und verfolgbar sein.
  • Es sollte ein Fazit möglich sein; oder ich möchte die Antwort auf eine gestellte Frage gefunden sein, mit der ich zufrieden bin.
  • Ich wünsche mir gleichzeitig Anregungen, ein neues Sudelbuch anzulegen. Zu einem verwandten Thema oder es bringt mich auf eine völlig neue Idee.
  • Ich wünsche mir ein Leseerlebnis. Für mich und für die, die mich beim Füllen und Lesen begleiten.
  • Die Sudelbücher sollen auch als Einladung verstehen werden, sich selbst auf die Reise machen; ein eigenes Sudelbuch anzulegen und gern auch zu anderen Schlussfolgerungen zu gelangen. Und möglicherweise damit in den Austausch zu treten.

Eine Sortierung stelle ich mich so vor:

  • Nach Alphabet | Hier gefällt mir ein Beispiel aus der analogen Welt: Fragmente einer Sprache der Liebe von Roland Barthes. Sein Mix aus Definition eines Begriffs und seiner persönlichen Interpretation, beziehungsweise der Abgleich mit seiner Realität: Den finde ich spannend und möchte versuchen ihn aufs Digitale mit seinen verschiedenen Möglichkeiten zu übertragen.
  • Nach Keywords | Ich notiere, was ich wahrnehme und suche versuche dabei ein Kernwort herauszukristallisieren.
  • Nach Fragestellungen | Ich stelle (mir) eine Frage und recherchiere gezielt, stelle selbst Fragen. Davon verspreche ich mir durchaus andere Ergebnisse, als wenn ich etwas aufschnappe. Alles wieder multimedial aufbereitet.

Mir ist dazu ein Aphorismus ins Auge gefallen, das ganz gut passt:

Wer je den Trieb in sich gefühlt hat, seinen Kopf nicht anzufüllen, sondern zu stärken, die Kräfte und Anlagen zu entwickeln, sich auszubreiten, der wird gefunden haben, daß es nichts Kraftloseres gibt, als die Unterredung mit einem so genannten Literator in der Wissenschaft, in der er nicht selbst gedacht hat, aber tausend historischliterärische Umständchen weiß.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), Physiker, Naturforscher, Mathematiker, Schriftsteller und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung. Lichtenberg gilt als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.
Quelle: Lichtenberg, Sudelbuch K, 1793-1796. [K 188]